“Davor – Dahinter”

Bilder für die Synagoge

14. April – 26. Mai 2002, Kunstverein Oerlinghausen

Bilder für die Synagoge lautet der Untertitel der Ausstellung, denn in den Bildern kommt zum Ausdruck, wie die Künstlerin auf diesen Raum antwortet: auf das helle Gewölbe, das dunkle Holzgesims, auf die lichte Stirnseite, auf die Fenster. Am stärksten fällt vielleicht das ungewöhnlich schmale und hohe Format der fünf für diesen Ort bestimmten Bilder auf. Diese Flächen bieten dem Gestaltungsvermögen eine scharfe Herausforderung, zumal sie nicht ornamental oder funktional unterteilt sind – wie es Glasfenster wären.

Nun ist jedes Bild eine eigene Einheit bei stilistischem Grundduktus aller. (…) Jedes Bild ist ein individueller Gegenstand, der in den Raum ragt und greift, Beziehung aufnimmt zu seinem Nachbarn und zum Gegenüber. So entsteht ein Ensemble. So füllt sich der Raum mit Leben. Und während er dichter und enger wird, als schlösse er sich schützend zur größeren lebendigen Einheit zusammen, öffnet er sich zugleich, als wären die Bilder Nischen, die sich nach Draußen auftun, wie Pforten ins Freie. Neben und zwischen den verhängten Fenstern, durch die wir schemenhaft die Sprossen und Gitter sehen, öffnen sich die Bilder als Durchgänge, die für unsere Augen begehbar sind:  Passagen in eine neue Welt.

Alexander Gruber